Veranstaltungskritiken

Würdigung vergangener Veranstaltungen in der Kneipenbühne:

2012 28.04.

Christoph und Lollo

Ein Paar jener alten, unglaublichen Skispringerlieder hatten sie noch im Gepäck, die etwas anderen Liedermacher Christoph Drexler und Lollo Lorenz Pichler, die am Samstag nach über dreijähriger Abstinenz endlich einmal wieder in der Kneipenbühne auftraten, zur Freude der Gäste, die sich angesichts der verbalen Improvisationsgroßmeister kringelig lachten. Die Strategie von Christoph und Lollo geht (zwar nicht unbedingt in der kulturell und musikalisch in sich selbst ruhenden Oberpfalz, so doch anderswo) eindrucksvoll auf: „Skispringerlieder sang bislang weltweit noch keine andere Gruppe, und aufgrund der Einmaligkeit muss man einfach berühmt werden!“ – Insgesamt rund eine Million Aufrufe bei YouTube sprechen eine deutliche Sprache. Mittlerweile nehmen sich die beiden Wiener erfolgreich auch anderer Themen an, singen Loblieder auf die Hebammenschaft, beschreiben eklig schmutzige Haare in der Suppe, haben „Angst vor dem Islam“, malen blutrünstige Stimmungsbilder über den Tod und das anschließende „Laternisieren“ des erzreaktionären österreichischen Kriegsminister Baillet de Latour, konstatieren in ihrem beinharten, intelligenten Protestsong „Diese Stadt“, dass den Bürgern nichts mehr, hingegen den Banken, dem Werbemonopol, dem Baukartell, dem Yachtverein und den Brauereien alles gehört, stellen die zum Brüllen komische Vermutung auf, dass es kein Vergnügen ist, ein Fußballer zu sein. Und sie sind in jedem Moment sehr überzeugend und amüsant, in schauspielerischer wie in musikalischer Hinsicht – ihr zweistimmiger Gesang ist ebenso perfekt wie ihre Bühnenpräsenz, die sich in weiten Teilen an der eigenen Schlagfertigkeit und spontan frischen Ideen nährt. Sollte es irgendjemandem leid tun, dieses Highlight verpasst zu haben: Christoph und Lollo sind beim Nürnberger Bardentreffen 2012 zu erleben.