Veranstaltungskritiken

Würdigung vergangener Veranstaltungen in der Kneipenbühne:

2010 13.11.

Eindrücke vom tausendsten Konzert (BTC)

Kneipenbühne feierte Jubiläum
Golly Hertlein freute sich über viele Gratulanten 

Oberweiling. Wer am Samstag die Kneipenbühne betrat, dem reckte sich gleich eine Hand mit Sektglas entgegen: Das war eigentlich zunächst das einzige, dass am vergangenen Samstag das 1000. Konzert über die Bühne ging. Im Mittelpunkt sollte eigentlich Golly Hertlein, der Macher der Kneipenbühne stehen. Doch, anstatt sich feiern zu lassen, gab sich der Golly so wie bei den meisten 999 Konzerten zuvor. Er sorgte sich nämlich zunächst um das Wohl seiner Gäste. Erst als er das letzte Eierbrot, ein Kneipenbühne-Schmankerl, belegt hatte, fingen Hertlein und seine Begleiter bei Breeze the Creaze ) auf die Bühne. Ein sehr gut gefülltes Auditorium ließ sich dann auf eine spannende Reise vor und zurück duch die Zukunft nehmen. (Lothar Röhrl, Neumarkter Tagblatt)

Sause mit Tiefgang
Gelungener Jubiläumsabend in der Kneipenbühne

Argile, Grünwald, Stössel, die „Messin’ Round Bluesband“ und Samba Nova, sie alle haben in den letzten 30 Jahren ihre Visitenkarte in Oberweiling abgegeben, einige Bands kennen nur noch Insider, wie „Pommes & Fritz“ mit der legendären Katze auf dem Plakat, andere sind immer noch auf Tour, wie etwa Dieter Weberpals oder Liederjan. Und alle, alle standen sie bei Golly auf der Kneipenbühne.
Den 1000. Gig in seinem Wohnzimmer hat sich Golly Hertlein aber denn doch selber reserviert. Zur Feier des Erreichten präsentierte Kulturpreisträger Golly nicht nur einfach eine flotte Sause, sondern standesgemäß sich selbst als Gesamtkunstwerk. Ob als Autor, der einen 1,1 Kilo schweren, politisch korrekten Sci-Fi-Thriller mit heftigem Lokalkolorit (Reinklonation) im Selbstverlag auf den Markt wirft, oder ob er die Buchillustrationen im Treppenhaus präsentiert, Golly hat eine Mission und er will sie an den Mann und die Frau bringen.
Auch musikalisch ist die neue CD seiner Band „Breeze The Creaze“ sehr engagiert – der Weltuntergang ist, ebenso wie im Buch, zu dem die Silberscheibe den Soundtrack liefert, stets um die Ecke und natürlich wird englisch gesungen. Doch Golly, Bassistin Jule Weidinger und Henning Frank, die seit mittlerweile acht Jahren zusammen musizieren, hatten sich in den letzten Jahren nicht umsonst etwas rar gemacht. Aus der spröden Kopfmusik früherer Jahre ist in harter Arbeit tatsächlich so etwas wie „Neo-Hippiemusik“ geworden. Ganz ohne muffigen Cannabisqualm oder bemühtes LSD-Gequieke. Nein, was da BTC vor der rappelvollen Kneipenbühne abliefert, ist Musik, die an die besseren Stücke von Crosby, Stills, Nash and Young erinnert. Mit einem Hauch Mamas and Papas. Das groovt, da gibt es eingängige Melodien, sich im Gehörgang festbeißende Refrains und feine Nuancen, die sich erst beim zweiten oder dritten Hinhören erschließen.
Doch Golly wäre nicht Golly, wenn er sich auf musikalische Reminiszenzen mit knackigen Texten beschränken würde. Natürlich liefert er auch eine Version dessen, was man schon zu Zeiten von Raumschiff Orion für Zukunftsmusik hielt – eine Komposition, bei der die Umlaufzeiten der Planeten um die Sonne den komplizierten Takt vorgeben und die – absurder Kontrapunkt zur Saitenmusik von BTC – von einem Keyboard allein vorgetragen wird – lediglich die Taste muss noch simpel analog festgehalten werden. Ein Aufgabe, die aber bei Golly ein Holzfrosch übernimmt – ein Pausenkasper à la Kneipenbühne. 
Eine gelungene Jubiläumsfeier, die Lust auf das nächste 1000 macht. (Reinhard Wagner, Neumarkter Nachrichten)