Veranstaltungskritiken

Würdigung vergangener Veranstaltungen in der Kneipenbühne:

2010 02.10.

Titus Waldenfels Quartett

Zum dritten und bestimmt nicht zum letzten Mal trat Titus Waldenfels in der Kneipenbühne auf: beim ersten Mal (Februar 2009) mit Michael Reiserer, beim zweiten Mal (Dezember 2009) mit Reiserer und Lucie Cerveny; am vergangenen Samstag schließlich gesellte sich der Gitarrist Marco Piludu hinzu und auch das Publikumsinteresse wuchs ein weiteres Mal: nicht nur um eine Person! 
Das hat seinen Grund, denn was die wunderbaren Musiker auf Lager haben, lässt sich kaum in Worte fassen - allein schon das Sammelsurium mehr oder weniger skurriler Musikinstrumente, mit denen Waldenfels aufwartet, lohnt einen Konzertbesuch. Wie virtuos er die Teile dann aber auch noch spielt - manchmal sogar mehrere gleichzeitig -, ist unfassbar. Wohlgemerkt: das alles ist keineswegs abgehoben, sondern schwingt sich direkt von den Ohrgängen ins Gefühl und erzeugt eine wohlig-warme Stimmung im Bauch; es schiebt sich direkt von den Sehnerven zum Verstand und bereitet dort lustvolles Staunen. Diese freundliche Attacke auf die Sinne wird von Waldenfels’ Mitmusikern genüsslich mitgeritten: Ein ähnliches Kaliber wie der Titus nämlich ist Michael Reiserer (eine Art indische Gottheit mit unzähligen Armen), der in der Lage ist, gleichzeitig Akkordeon und Schlagzeug zu spielen und dabei zu singen - aber so, dass einem - wie bei Rio Reisers „Übers Meer“ wohlige Schauer über den Rücken laufen. Virtuose Glanzpunkte solistischer Art in Kombination mit ausgefallenen Grooves hat der Linkshänder Marco Piludu auf Lager. Genau! Er ist in Oberweiling kein Unbekannter: der filigrane Gitarrenvirtuose von internationalem Rang konnte zusammen mit Stefan Schmeußer schon zweimal (2008 und 2005) das Publikum in der alten Schule in Verzücken setzen. Lucie Cerveny schließlich, an Piano und Keyboards, brilliert mit ihrem gefühlvollen Spiel ebenso wie mit ihrer warmen sauberen Gesangsstimme; sie findet stets den richtigen Ton, die richtige Stimmung - ob sie nun Rock’n’Roll singt oder Countrynummern, ob sie nun Comedian Harmonists interpretiert (etwa das wunderschöne „Die Liebe kommt, die Liebe geht“) oder eigene Songs - auch auf tschechisch - und Pop-Perlen. Oh ja, von all dem kann man nicht genug bekommen.