Veranstaltungskritiken

Würdigung vergangener Veranstaltungen in der Kneipenbühne:

2009 07.11.

Sepp Müller

Mit seinem Soloprogramm „Da Opa hod gsogt“ stellte sich am vergangenen Samstag der Oberbayerische Kabarettist Sepp Müller dem Publikum in der vollen Kneipenbühne vor. Mit einer Knopfharmonika, einem Cajon, ein paar Schlagzeugutensilien, einer Blockflöte und einer Riesenportion Mutterwitz bewaffnet, konnte das sympathische Urviech seine Zuhörer von Anfang an zu herzlichem Lachen bringen. Lockere Sprüche vom Opa „In Russland war’s so kalt, da hamma den Feind mitm Schneuztüchl derstochn“ wechselten sich ab mit Nonsens-Gedichtchen wie „Liebe Grille, nimm doch die Pille, dann seid ihr nicht mehr so viele und nachts wär’ endlich Stille!“ Zum Brüllen komisch waren auch seine „Wellnessg’stanzln“, und seine ebenfalls souverän gesungenen epischen Geschichten von Gebirgsschützen, die unter die „Domina-kanerinnen“ geraten, von der im Internet ersteigerten falschen Beinprothese für den Opa, von der Bad Tölzer Leonhardifahrt, einer traditionellen Verbindung aus Spirituose und Spiritualität. 
Der Sepp, oft unterwegs mit seiner (bis jetzt noch) berühmteren Kollegin Martina Schwarzmann (die in der Kneipenbühne ja auch zu erleben war - zu Zeiten, als sie noch fast niemand kannte), steht noch nicht lange als Solist auf der Bühne (bis vor kurzem war er Mitglied von „de 3 luschdigen Zwoa“) - und trotzdem zeigt er kaum Schwächen, sieht man einmal davon ab, dass er sich bei manchen Texten noch nicht die Zeit lässt, die ihnen zustünde, aber das kriegt er hin; ohne Zweifel. Wer allerdings denkt, dass Sepp Müller (nicht zu verwechseln mit Josef Müller, dem Ochsensepp und ersten Vorsitzenden der CSU) so ganz und gar unpolitisch ist, täuscht sich: bitterböse Texte wie „Privat oder Kasse?“, das Lied von der Vision, oder „We will shock you“ - ein Stück zur „MeinungsBILDung“ - beweisen das Gegenteil. 
Die bunte, die gesunde Mischung aus Nonsens und sympathischer Boshaftigkeit wurde gekrönt von einer unglaublichen Zugabe. Sepp Müller tanzte in Vintage-Unterwäsche Tschaikowskis „Schwanentanz“ und bemerkte zu seinem überdimensionierten „Liebestöter“: „früher hast mit einer Unterhose ein ganzes Auto putzen können - heut reichts nur noch für den Rückspiegel“.