Veranstaltungskritiken

Würdigung vergangener Veranstaltungen in der Kneipenbühne:

2008 29.11.

gosch&klimpa

Zwar stand Florian Schwartz nicht auf dem Programm der vergangenen Veranstaltung in der Kneipenbühne: angekündigt war Susanna Klovsky an der Seite der Chansonette und Kabarettistin Michaila Kühnemann, aber die sympathische Ex-Les-Derhosn-Sängerin konnte glaubhaft versichern, dass „Herr Schwartz“ der eigentlich echte „klimpa“ im Duo „gosch&klimpa“ ist, ein souveräner Pianist, der in dramatischen Szenen witzig und in komischen Liedern ernst wirkte: gleichzeitig – und der einst das Konzept des Abends mit „gosch“ ausarbeitete. 
So konnte das Duo in seinem Programm „Am Strand der Dinge“ zwischen der Anfangsnummer „1.000 Dinge“ von Funny van Dannen und der zweiten Zugabe von Bernd Begemann „Wenn wir Glück haben endet es am Strand“ die zahlreichen Zuhörer ununterbrochen in seinen Bann ziehen und zum Kringeln burleske oder zum Weinen tieftraurige Themen über „Dinge und ihre Menschen“ zum besten geben. Die Anfangs- und die Schlussnummer waren zwar nicht die Höhepunkte des vielseitigen Abends, setzten aber immerhin eine hübsche, intime Themenklammer um das Ganze. 
„gosch“ – Michaila Kühnemann – ist phänomenal. Ob als Seeräuber-Jenny aus der Dreigroschenoper, ob als Interpretin des Kreislerschen Bluntschli oder bei hinreißend vertonten Kurzgedichten von Joachim Ringelnatz: immer blieb sie in Mimik und Gestik in ihrer Rolle, und sie sang und erzählte ebenso präzise wie gefühlvoll – klar: mit einem derart zuverlässigen Piano-Partner an der Seite! So manche Augen wurden feucht bei dem Jaques Brel-Chanson „Ne me quitte pas“ (Bitte geh nicht fort, Übersetzung: Klaus Hoffmann und André Schneider) oder bei „Send in the Clowns“ von Stephen Sondheim: oh nein, da war nichts Rührseliges in goschs Stimme, „nur“ intensiv Anrührendes; köstlich die Musik zur Multikultur der Imbissbude: Hymnen und Klassik zu Frittenfett und blubbernden Schaschliksaucenblasen, herrlich die musikalisch/textliche Zusammenfassung des Konzertabends, mit dem Happy End für einen männlichen Briefmark, der zu seiner Prinzessin zurückkehren darf, weil der Empfänger des Briefes unbekannt verzogen ist. „Ikea“ (Maria) aus der Westside-Story und die „2nd Hand Rose“ setzten weitere Glanzpunkte in einem nach allen Seiten hin funkelnden Chansonabend, in dem jeder (!) Zuhörer das für die Seele verordnete Wechselbad der Gefühle in vollen Zügen genoss.

"Sie faule, verbummelte Schlampe!" 
sagte der Spiegel zur Lampe. 
"Sie altes, schmieriges Scherbenstück!" 
gab die Lampe dem Spiegel zurück. 
Der Spiegel in seiner Erbitterung 
bekam einen ganz gewaltigen Sprung. 
Der zornigen Lampe verging die Puste: 
Sie fauchte, rauchte, schwelte und ruste. 
Das Stubenmädchen ließ beide in Ruhe 
und doch - man schob ihr die Schuld in die Schuhe.
(Joachim Ringelnatz)