Veranstaltungskritiken

Würdigung vergangener Veranstaltungen in der Kneipenbühne:

2015 16.02.

Jingle-King & Jungle-Kong

Zum zweiten Mal innerhalb von kurzer Zeit eine spontane „Freie Bühne“ im O’wei’? Und dazu noch am Ros’n’Mon-Tag, an dem doch die „Kneipe“ grundsätzlich Frei-Tag hat? Na, vielleicht denkt sich jetzt der eine und andere: „Das wurde möglich, weil heuer der Valen-Dienstag auf einen Samstag fiel und die 'Freie Bühne' deshalb nicht zwangsläufig an Dienst-Tagen wie einem Freitag stattfinden muss.“ Da ist was dran!
Na, jedenfalls hatte das frisch formierte Duo „Jingle-King & Jungle-Kong“ (mit bürgerlichem Namen Michi „Dick“ Dacker und Toni „Doc“ Mucker) darum gebettelt, zum Stummfilm „Tarzan of the Apes“ (USA 1918, mit Elmo Lincoln in der Hauptrolle) „selbstgemachte“ Filmmusik beisteuern zu dürfen. Das ist eigentlich eine recht ansprechende Idee, zumal der literarische „Tarzan“ heuer 103 Jahre alt wird. Die Kneipenbühne spendierte aus diesem Anlass jedem Anwesenden wahlweise einen Cocktail „Tarzan“ (4 cl Sayang Likör, 2 cl dunklen Rum, 4 cl Bananenlikör in einem hohen Glas, mit Milch aufgefüllt) oder einen Brandy „Osborne103“. Das kam nicht besonders teuer, da außer den beiden Freundinnen der Musiker (beide Antialkoholikerinnen! – „und Dick und Doc stehen auch nicht so drauf “…) niemand den Weg nach Oberweiling gefunden hatte; glücklicherweise, muss man leider sagen, denn was Jingle-Jangle-Jungle Viet-King-Kong boten, war gelinde gesagt unter aller Kanone! Nicht nur, dass Dacker-Mucker geschlagene 73 Minuten (solange dauert der Film) ununterbrochen den Uralt-Hit „Tarzan ist wieder da“ reproduzierten (Text und Musik: Wilken F. Dincklage, 1977 Platz 5 der deutschen Singlehitparade), „Dick“ und „Doc“ brummten den Nonsens-Text wieder und wieder unisono (die Intonation: eine Zumutung) und spielten dazu auf ihren beiden akustischen Aldi-Süd-Gitarren einen höchst unpassenden, behäbigen Blues.
Na ja, Blues kann man eigentlich nicht sagen, da „Jingle-King & Jungle-Kong“ kein einziges Mal einen Akkordwechsel versuchten und mit stoischer Ruhe einen ultralangsamen Bauern-Triolen-Stampf-Rhythmus schrubbten (beide mit dem selben, dem einfachsten Griff, mit dem man G-Dur ausdrücken kann). Das Resultat spottet jeder Beschreibung. 
Noch kurz zum Outfit: grün-gelb-rote Strickmützen mit innen angeklebten pofaltenlangen Fake-Dreadlocks und (nicht nur, aber auch besonders) bei einer Filmvorführung reichlich idiotisch wirkende verspiegelte Sonnenbrillen passten keineswegs zur „Musik“, die mit Reggae soviel zu tun hatte wie ein Käsebrötchen mit einer Orang-Butan-Gasflasche.
Eine Beobachtung am Rande: Die Freundinnen strickten sich während des gesamten Auftritts bis zum Mond und zurück und vergaßen am Ende sogar ein Höflichkeitsklatschen. Resultat: zwei viertelfertige grün-gelb-rote Schals, die in Bälde xxx-large sein werden. Oh Gott!
Unterm Strich: die Romo-Frebü (Rosenmontags-Freie-Bühne) wirkte derart langweilig und ätzend, dass sogar die Tischdekoration einschlief respektive sich vor Abscheu wand – und das lag gewiss nicht an dem bemerkenswerten filmhistorischen Dokument.
(Fotos und Filme konnten während des „Konzerts“ wegen der abgedunkelten Kneipe nicht gemacht werden, deshalb lediglich zwei „danach“).
Übrigens hat der „Zündfunk“ (BR2) das Duo mit dem ansprechenden Namen „Jingle-King & Jungle-Kong“ angeblich zu einer einstündigen Radiosendung in die „Szene“-Bar Füssige (gemeint ist wohl „Füßige“) eingeladen.
Der Slogan dieser „Location“ soll den Lesern nicht vorenthalten werden: „Die Bar Füssige findet man im Industriegebiet Straubing – Sie wissen schon, wo früher die alte Lehmgru’m war. Bei uns herrscht fei“ [sic] „Sockenzwang. Wir freuen sich“ [sic] „trotzdem“ [sic] „ auf ihren“ [sic] „Besuch!“ Na ja, man muss nicht alles verstehen …