Veranstaltungskritiken

Würdigung vergangener Veranstaltungen in der Kneipenbühne:

2022 30.04.

Golly + Nicks Freunde

Oberweiling – Hervorragende Stimmung herrschte im nahezu ausverkauften O’wei am vergangenen Samstag: Golly wiederholte seine CD-Präsentation vom Herbst 2021, und offenbar hatte es sich herumgesprochen, wie kurzweilig und lustig sein Programm ist. Kurzweilig, weil sich Blues in vielen Lesarten abwechselt mit Sprechtexten, die man vielleicht mit „Neues nach der JHV (Jahreshauptversammlung)“ betiteln könnte. Das Ganze wurde übrigens sehr viel entspannter und routinierter präsentiert als vor einem halben Jahr.

Was aber ist „Neues nach der JHV“? Golly erfindet Künstler, die er vorstellt – manchmal sogar mit deren „Musik“ – um sie danach gnadenlos zu kritisieren. Das ist oft zum Brüllen komisch. Bands wie „Rocky und Rolli“ führen durch die Geschichte des deutschen Schlagers, „Jingle King und Jungle Kong“ machen erbärmliche Tarzan-Filmmusik, die drei Mädels von „Van Van Van“ brillieren mit Oberpfälzer Folklore. Zudem liest Golly aus seiner gerade entstehenden Novelle „Dichterwettstreit“ und führt die zu (Lach)Tränen gerührten Zuhörer in längst vergangene Befindlichkeiten Nürnberger Poetenkultur. Das Konzept steht in krassem Gegensatz zu den ernsten, oft traurigen, in breitem Nürnberger Dialekt gesungen Texten der CD „Bluesgeziefer“, die von Golly im Halbplayback mit großer Routine vorgetragen werden, meist auf der Gitarre, hin und wieder auf Sopran- und Tenorsaxophon. Aber es ist gerade das Wechselbad der Gefühle, von dem das Publikum bezaubert wird und das es begeistert. 

Für zusätzliche Abwechslung sorgte der Überraschungsgast Wolfgang „Wuffi“ Kamm mit seinem selbst entworfenen und gebauten Taschen-Didgeridoo.

Nach zwei Runden à 45 Minuten forderten die Zuhörer, eine weitere anzuhängen. Und auch nach über drei Stunden stellten sich keinerlei Ermüdungserscheinungen ein – weder im Publikum noch auf der Bühne … und dann gab es noch die eine und andere Zugabe. 

(von Lieselotte Blüte-Bach)

Fotos Volker Kindl, Bäibers Jahnke