Veranstaltungskritiken
Würdigung vergangener Veranstaltungen in der Kneipenbühne:

The See See Riders
Oberweiling – Es gibt viele Facetten der Bluesmusik – und in der Kneipenbühne sind die meisten davon lustvoll zu erleben: Von „Dr. Wills“ Woodoo Blues über die eigenwillig-modernen Interpretationen des Trios „Muddy What?“ bis zur Virtuosität der „Global Blues Resistance“, um nur ein paar zu nennen. Immer wieder sind da unvergleichliche Juwelen zu entdecken. Das O’wei-Kulturzentrum nimmt allerdings Abstand von jenen “Musikern“, die so tun, als hätten sie irgendeine Ahnung von jenem unverwüstlichen komplexen Genre namens Blues, lässt Scharlatane außen vor, die mit ihrem langweiligen Bauerngroove, ihren immergleichen 12 Takten, den drei unabwendbaren Akkorden, den entsprechenden weinerlichen Texten und den immergleichen Melodiewendungen ihr bayerisches Bierbäuchlein bepinseln und damit Kenner und Liebhaber tödlich nerven. Davon geistern hierzulande leider mehr Kerle herum als erträglich ist.
Die Programmgestaltung in Oberweiling steuert diesem Grauen entgegen und wirkt offenbar geschmacksbildend, denn ein ums andere Mal sind die Blueskonzerte im alten Schulhaus ausverkauft. So auch am vergangenen Samstag.
Da debütierte das außerordentliche Quartett „The See See Riders“ im Klassenzimmer und begeisterte sein Publikum einerseits mit Blues-Juwelen aus den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, andererseits mit Eigenkompositionen, die haargenau den Stil jener Zeit treffen. Mit hoher Virtuosität präsentierten die vier Bamberger auf Geige, Kontrabass, und zwei Gitarren ihr durchgestyltes und ausgefeiltes Programm, das nicht nur durch wunderschönen mehrstimmigen Gesang bestach, sondern mit modernen Soli auf Geige, Kontrabass und Slidegitarre die 100-Jahre-alte Musik auf ein gänzlich neues Niveau hoben.
Rebekka Wagners brillantes Geigenspiel, oft zweistimmig, immer geschmackvoll an der richtigen Stelle eingesetzt und hin und wieder mit bezaubernden Flageolett-Sequenzen gespickt, korrespondierte mit den Kontrabass-Soli Stephan Goldbachs, die – gezupft wie gestrichen – stets ein Genuss waren; die Unisono-Passagen der beiden Streichinstrumente waren zudem ebenso unerhört wie hinreißend. Goldbach lieferte abgesehen von diesen Glanzlichtern eine solide Basis; aber das versteht sich bei einem Könner seiner Qualität von selbst.
Dass Benjamin Lojak die melodischen Finessen der alten Blueser bis ins kleinste Detail verstanden hat, wurde bereits bei den ersten Tönen klar, die er seinem Instrument – einer oft mit Bottleneck gespielten Resonatorgitarre – entlockte; er tat das ideen- und variantenreich ohnegleichen.
Armano Persau schließlich, Kopf und treibende Kraft der großartigen Gruppe, erwies sich als Rhythmusgitarrist, der, statt zu schrubben, mit stilsicherem Fingerpicking aufwartete, und mit federnden Grooves Impulse setzte. Als wirklich phänomenal aber erwies sich seine Leadstimme, ein Bariton, absolut unverkennbar und wohlklingend. Zudem konnte er mit großem Charme sein Wissen zu den präsentierten Kompositionen vermitteln, kleine Geschichten zu Auftritten der Band (zum Beispiel in Memphis Tennessee) und zur Entstehung des Quartetts erzählen … ein echter Sympathieträger.
Bezüglich des Publikums: Ja klar, Begeisterung pur!