Meridianerland - Wissenschaft und Menschheit

Scotty Bullock Trio
geschrieben von golly am 12.2.2017 spät, spät in der Nacht oder besser: früh, früh am Morgen

Das „Scotty Bullock Trio“ spielte am Samstag in der komplett ausverkauften Kneipenbühne unter dem Motto „Unplugged Tunes & Untold Tales“ ein grandioses Konzert mit minimalistischem Schlagzeug und rein akustischen Instrumenten. Rockabilly, Bluegrass, Blues, Rhythm and Blues und mehr standen auf dem Marathonprogramm, in dem in über drei Stunden reiner Spielzeit das begeisterte Publikum von einem Highlight zum nächsten dirigiert wurde. Dabei stach nicht nur die Virtuosität der drei eingeschworenen Musiker ins Ohr, sondern auch die wilden, manchmal absurden aber stets glaubwürdigen Geschichten, die der Bandleader Scotty Bullock zum Besten gab, Stories über seinen Aufenthalt in den Vereinigten Staaten, aber auch von seiner Vilstaler Heimat. Die stets authentisch wirkende Musik tangierte nicht nur Stücke, die eine große Bandbreite des Bereichs „Americana“ abdeckten – von Johnny Cash über Bob Dylan bis Chuck Berry und weit darüber hinaus –, Scotty fügte auch Eigenkompositionen ein wie „White Lies And Barflies“ und als Schmankerl ein paar Songs im niederbayerischen Dialekt.
Ihm zur Seite stand der junge Felix Wenz, ein charaktervoller, zuverlässiger Kontrabassist, der auch mal zur Gitarre griff, um dem Bullock aus der Patsche zu helfen: dem nämlich war eine Saite gerissen, und während Scotty nach Ersatz suchte, spielte Wenz auf Scottys nunmehr nur noch fünfsaitigen Instrument „All Along The Watchtower“. Das allein wäre noch nichts Besonderes. Dass aber, während Wenz in stoischer Ruhe Dylan interpretierte, Scotty Bullock die fehlende Saite ersetzte: das hat man noch nicht gesehen, geschweige denn gehört.
Harry Weber schließlich bestach nicht nur mit präzisem Groove, er gehört ferner zu den wenigen Schlagzeugern, die völlig unverkrampft zu komplizierten Drumpatterns singen können. Meistens tat er das, indem er Scotty Bullocks Stimme austerzte, ein paarmal allerdings sang er die Hauptstimme selbst und setzte damit großartige Akzente für das gelungene, begeisternde Konzert.

 
 
 
 
Fotos: Volker, Filme: Golly
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