Jazz For The Blue Mood
geschrieben von golly am 1.5.2016 spät, spät in der Nacht; oder auch: früh, früh am Morgen

„Jazz For The Blue Mood“ nennt sich ein außergewöhnliches Trio, das normalerweise dazu verdammt ist, auf Empfängen, Vernissagen und Matineén für angenehme akustische Hintergrundkulisse zu sorgen. Im O’wei war das glücklicherweise nicht so: Die für diese Musikgattung erfreulich vielen Zuhörer in der Kneipenbühne hatten nämlich das große Glück, die vorzügliche Band (fast) ohne jedes störende Gemurmel genießen zu dürfen. Und so gab es Nektar, Ambrosia und Balsam auf die Ohren. Was die drei Profis, die übrigens für den erkrankten britischen Singer/Songwriter und Gitarristen Richard Throwbridge einsprangen, am Samstag Abend boten, war ebenso filigran wie virtuos. „Jazz For The Blue Mood“ präsentierten einen duftigen Reigen von Jazzstandards, die fast jeder kennt und bei dem viele zu Recht versucht sind, mitzusummen. Von Kompositionen des Saxophongenies Charlie „Bird“ Parker über musikalische Kunststücke Oskar Petersons und Cole Porters bis zu Geniestreichen Duke Ellingtons schmeichelten die Melodien dem Gehör, ohne jemals – und das ist ein kleines Wunder – während der weit über neunzig Konzertminuten die Gedanken des Zuhörers wesentlich abschweifen zu lassen. Nicht nur grandiose Grooves und reiche, reizvolle Harmonik hielten die Spannung, sondern auch immer wieder phantastische Soli, die vom Publikum entsprechend goutiert wurden.
Der in Oberweiling wohlbekannte und beliebte Schlagzeuger Sandor Toth bot mit seinen beiden Mitstreitern Winfried Wiesinger (Kontrabass) und Markus Riedel (Tasten) ein Konzert der Superlative, das irgendwann unbedingt wiederholt werden muss. „Jazz is not dead, it just smells funny.“ Die zweite Hälfte deines Satzes, lieber, tief verehrter Frank Zappa, stimmt definitiv nicht. Jazz is not dead. Sometimes it smells like spring.

Fotos und Film: Heike
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