Golly und Gerd Heide
geschrieben von golly am 09.05.1999

Keine Kritik verfügbar. Stattdessen eine Ankündigung:
Zum Saisonabschluß präsentiert Golly am kommenden Samstag seine ganz persönlichen Lieblingsnummern aus zehn Jahren CD - Produktionsarbeit. Zu erwarten ist eine Mischung aus deutsch- und englischsprachigen Veröffentlichungen, die sich in etwa die Waage halten. Besonders am Herzen liegen dem Golly neben „Schakale“ und „Nola Zwei – Sehnsucht“ die Triaho- Attacken Part I und II, bei denen es sich um ein groß angelegtes Konzept handelt - insgesamt gut 2 Stunden Musik aus allen nur denkbaren Stilen, von der Folklore zur atonalen Dodekaphonie, vom Rock'n’ Roll über Klassik zur Barmusik, von der Schraml-Musik über Südamerikanisches bis zum Freejazz. Da „attacca“ in der Musik bedeutet, daß ein folgendes Musikstück unmittelbar an das vorhergehende angehängt wird, mußten Gollys „Attacken“ harmonisch verbunden werden – ein kleines Kunststück.
Die Idee hierzu kam ihm bereits vor langer Zeit bei der Lektüre von W. S. Borroughs‘ Roman „Nova Express“, eine Parabel, in der die Menschheit mit rasender Geschwindigkeit eine ungewollte Eigendynamik entwickelt, um unseren Planeten zu ruinieren. Burroughs‘ Hauptfigur, Hassan I Sabbah, ist Freiheitskämpfer zu Zeiten der Kreuzzüge, der mit seiner wilden Truppe -  den Assassin (arab.: Haschischesser, frz.: Mörder) – angeblich eine Methode kannte, mit der man seine Feinde durch Worte tötet (siehe hierzu auch Burroughs: „Das Buch vom Aaaatmen“).  Der erste Abschnitt der Triaho-Attacken heißt entsprechend „Hassans Rache“ und befaßt sich mit den Spielarten des menschlichen Verstandes (vgl. „endgültige Versenkung“ – Töten durch Worte). Laut Immanuel Kant führt Verstand in Verbindung mit Vorstellungskraft zur Vernunft. So befasst sich der zweite, der sinnliche Abschnitt der „Attacken“ mit dem Gefühl, insbesondere mit Sehnsucht und Liebe, heißt „Herzschlag“ (nicht unbedingt als „Herzattacke“ zu verstehen) und entwickelt seine Ouvertüre über einem ruhigen Herzrhythmus.
Auch nach diesem Teil ist von Vernunft weit und breit keine Spur, deshalb begeben sich die „Attacken“ auf die Suche nach Leben und Liebe in Stadt und Land („Landliebe – Stadtliebe“); beides führt zu erheblichem Fluchtverhalten – vom Land in die Stadt und wieder retour. Das Ganze endet schließlich vorm Fernseher: der letzte Teil der Attacken heißt „Traumzeit“, beginnt mit der Werbung kurz vor Acht, zappt sich durch bis zur Gute-Nacht-Nationalhymne und setzt sich fort mit einem wüsten Sammelsurium von Träumen. Verstand und Einbildungskraft führen nicht zur Vernunft, sondern lediglich zu schlaflosen Nächten. Q.e.d. „Traumzeit“ ist übrigens so komponiert, daß während der knapp halbstündigen Dauer ständig ein Didgeridoo-Spieler mitspielen kann. Es gibt viel zu entdecken auf diesen beiden CDs, so zum Beispiel taucht das „Reserl“ (eine sehr unglückliche Person) immer wieder auf, ebenso wie der Stalker (engl.: Pirschjäger, vgl. auch Tarkowskis Film)
Da Golly ganz nebenbei noch ein Freund guter Bluesmusik ist, wird er zusammen mit seinem langjährigen musikalischen Weggenossen Gerd Heide Highlights aus den CDs „I Wonder Why“, „Drunkard’s Dream“ und „Time for a Change“ präsentieren. Aber auch auf Überraschungen aus Gollys Schublade darf man gefaßt sein.

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