Dezemberprogramm
>> Vorschau auf Januar 2006
Die Konzerte beginnen um ca. 20:30 Uhr, falls nicht anders vermerkt!
3. 12. Klezmaniaxx 

Eintritt 8,00 €

Der Virus kam über die Leinwand: "Jenseits der Stille" heißt der Film, in dem sich die Lara  - Kind gehörloser Eltern - mit ihrer Klarinette in der Welt behauptet und in dem der Star- Klarinettist Giora Feidmann einen Gastauftritt hat. Vielleicht war sie sich damals noch nicht im vollen Umfang darüber bewusst, doch als der Abspann des Films über die Leinwand flimmerte, war Karen Harder bereits infiziert.
Zum Ausbruch kam der Virus bei einem Konzert des Nürnberger Klezmer- Klarinettisten Mitch Sauer und seiner Band. In ihrer Begeisterung ergriff ein verwegener Gedanke von der sonst so bedachten Frau Be- sitz: "Ich muss Klarinette lernen!" Ihr Mann Rudolf war der gleichen Meinung: "Du musst Klarinette lernen!" Es kam, wie es kommen musste: Während Karen sich mit Griff- und Blastechniken plagte, versuchte sich der gelernte Rockdrummer Rudolf am Sousaphon. Heute sind die beiden zwei von fünf "Klezmaniaxx", manisch-verrückte Abhängige, süchtig nach der Droge Klezmer. Das fränkische Quintett befindet sich damit in bester und zahlreicher Gesellschaft.

Die Klezmer-Musik erlebt seit den frühen 1990er Jahren, in denen zahl- reiche amerikanische Bands durch die wiedervereinigten Lande tourten und Giora Feidmann mit seinen "Klezmer- Workshops" begann, einen bis heute anhaltenden Boom. Die "Klezmaniaxx" - neben den Harders sind das Anita Bardenbacher (Akkordeon), Marcel Largé (Banjo, Mandoline) und Peter Riedel (Schlagzeug) - sind nach "Huljet" und "Fialke" die mindestens dritte Band im Großraum, die sich der Musik der osteuropäischen Juden verschrieben hat.
Fragt man nach den Gründen für die Begeisterung, erhält man eine denkbar einfache Antwort: "Die Melodien sind schön und schmissig, außerdem kommt einem vieles vertraut vor", sagt Karen Harder. Die "Klezmaniaxx" setzen auf die energetische, traditionelle Tanzmusik, wie sie vor dem Zweiten Weltkrieg in den jüdischen Vierteln osteuropäischer Städte zu Hochzeiten und anderen Festlichkeiten gespielt wurde. "Authentizität ist mir wichtig", sagt Rudolf, "ich kopiere so gut wie möglich von den Originalen."  
 
Dass es Spaß macht, hört man der Band bei jeder Gelegenheit an, egal, ob sie auf einem Straßenfest, einer Hochzeit oder in einer Kneipe spielt. Unverstärkt, und wenn's sein muss auch mobil, denn an eine Steckdose lassen sich die "Klezmaniaxx" nicht fesseln. Umso schwieri- ger war für die Band denn auch die Aufnahme ihrer ersten CD. "Wohl aus Mitleid, weil die Klangqualität unseres Demotapes so schlecht war", hatten sie die zwei Tage (aus denen dann vier wurden) in einem Fürther Studio bei einem Wettbe- werb der Nürnberger Musikzentrale gewonnen. Ein durch Kopfhörer ungewohnter Sound, Zeitdruck und das Fehlen des sonst so wichtigen Blickkontakts machten die Session nicht gerade zu einem entspannten Erlebnis. Wer das Ergeb nis, genannt "Shiker & schräg" (shiker bedeutet angeheitert), hört, bekommt davon glücklicherweise wenig mit.
Schwungvoll werfen sich Akkordeon, Klarinette und Mandoline (die die sonst eher gebräuchliche Geige ersetzt) die Bälle zu, während Schlagzeug und Sousaphon lustig übereinanderstolpern, was an zwei Betrunkene erinnert, die sich gegenseitig stützen. Shiker und schräg eben. Doch selbst wenn die CD gerade durch ungehobelten Charme besticht, so ist sie für die "Klezmaniaxx" erst der Anfang einer hoffentlich noch lange währenden Entwicklung.

Klezmaniaxx
10. 12. Embryo

Eintritt 10,00 €

Sie bestehen beinahe so lange wie die Rolling Stones. Embryo ist eine der ältesten Rockbands, die die deutsche Szene hervorgebracht hat. 2004 feierten sie ihr 35-jähriges Jubiläum. Seit 1969 ist die Münchner Formation unentwegt unterwegs, produziert. alle paar Jahre ein neues Album und setzt sich kontinuierlich neuen Einflüssen aus, auf langen Reisen, die sie hauptsächlich durch den Orient; unternehmen. Welche enorme musikalische Wegstrecke dabei zurückgelegt wurde, ist anhand zweier Neuerscheinungen zu ermessen, die die Band  bei einem Auftritt in Bremen sowie bei einer Serie von Konzerten neusten Datums in Köln, München, Berlin und Spanien zeigen. Bei der Gründung waren Embryo Jazzdissidenten, die sich von den neuen elektrischen Sounds des Rock angesprochen fühlten. Mit kraftvollen Rhythmen und überblasenen Flötentönen war ihr Rockjazz ganz auf der ,Höhe der Zeit. Das Saxofon heulte elektrisch verzerrt, der Bassist, spielte sein Instrument als Sologitarre a la Jack Bruce. Mit der Zeit hat die Musik die Selbstbezogenheit der Woodstock-Ära abgestreift und' sich nach vielen Richtungen geöffnet. Den Embryo-Mitgliedern wuchsen größere Ohren. Bald führten sie kein einstudiertes Repertoire mehr auf, sondern suchten den Austausch mit Musikern aus anderen Kulturen, ob in Europa, Afrika oder Asien. Dafür muss man vor allem eines können: zuhören.
Seit fast zwei Jahren hat Embryo Dank des Kölner Sängers Mik Quantius einen neuen Sound anzubieten.
Gesang war bei den ethnopsychodelischen Weltmusikpionieren bisher nie so wichtig gewesen. In den 70ern versuchten sich Roman Bunka und Christian Burchard als singende Instrumentalisten. Meist blieb es aber bei wenigen Songs, die zu Sprungbrettern für Improvisationen wurden, oder die Stimme wurde ohne Worte als Instrument eingesetzt, um bestimmte Stimmungen zu erzeugen. Dann gab es in den 80er Jahren Begegnungen mit großen indischen Sängerinnen wie Rama Mani und Shoba Gurtu und auch afghanische Troubadure oder afrikanische Trancemeister bereicherten den Embryoklang.
Jetzt ist es eine Stimme aus dem eigenen Land, die zwischen den nach wie vor freien Klängen und Improvisationen, die die besondere Klangreise der Embryomusiker ausmachen, ihren Platz gefunden hat.
Die Frankfurter Rundschau schrieb in einer Konzertkritik vom 14.12.02 : "...Mik Quantius scheint vom Opernbariton bis hin zum Oberton - Gesang alles zu beherrschen..." und machte damit denselben Fehler wie die Embryomusiker, die, als sie Mik das erste Mal hörten, meinten, er würde singen wie eine Mischung aus Captain Beefheart und Demetrios Stratos. Für Mik Quantius waren das Unbekannte - auch hatte er bisher weder mit Oberton- noch mit Operngesang zu tun. Mik kommt aus der Dark-Metal-Szene und hat mit diversen Gruppen dieses Genres zusammengearbeitet, bis er vor drei Jahren zu der Avantgardband ,Hiroshi - Metalic' stieß, deren Bläser Werner Koenen auch auf einigen Stücken dieser Platte zu hören ist. Dann hat sich Mik bei einem Konzert von Embryo in deren Musik regelrecht verliebt. Er reiste der Gruppe nach, wurde alsbald vor ein Mikrophon gestellt und durfte singen was er wollte oder fühlte - direkt und spontan. Die Ergebnisse können auf der Mehrzahl der Titel dieser Platte nachgehört werden.
Natürlich gibt es keine Embryoplatte ohne die Mitwirkung jahrelangen Mitstreiter wie des ,Dissidenten'-Mitbegründers Michi Wehmeyer oder von ,Amon Düül II'-Boss Chris Karrer, der gerade sein 37tes Bühnenjubiläum mit Embryos Mastermind Christian Burchard feiert. Den afrikanischen Kontinent vertritt der Koraspieler Sam A. Jarju aus Gambia, Asien erklingt mit dem Rubabspieler Salamah Shiftah aus Afghanistan und dem chinesischen Multiinstrumentalisten Xizhi Nie. Letzterer zeigt auf dem Titel "Meringblues" seine Virtuosität auf der chinesischen Mundorgel - und bei "Space.." können wir seine fernöstlichen Scatkünste bewundern. Amerika wird präsentiert durch den New Yorker Keyboardmagier Larry Porter, der in "Space is the place" - einer Hommage an Sun Ra -, ahnen läßt, welche Möglichkeiten in ihm stecken. Hier trommelt auch der junge Max Weissenfeldt, bekannt als Schlagzeuger der ,Poets of Rhythm'. Die bewährte Rhythm-Section besteht ansonsten aus Ex-,Checkpoint Charlie'-Drummer Lothar Stahl und Bassist Jens Pollheide, der auch des öfteren auf der Flöte brilliert.
"Hallo Mik" endet meditativ mit den Klängen der französischen Gruppe ,Mandragora' (Julia Boncaret - Harfe & Fred Düpont - Tympanon), die mit ihren Saitenintrumenten während der ersten Marokkotournee 2002 bei Embryo eingestiegen waren. Eine der vielen Begegnungen, die Embryo hoffentlich weiterhin immer wieder neue Perspektiven eröffnen werden.
>Embryo: M.W.: Michael Wehmeyer / D.S.: Dieter Serfas / L.S.: Lothar Stahl / X.N.: Xizhi Nie / Ma.W.: Max Weissenfeldt / J.P.: Jens Pollheide / M.Q.: Mik Quantius / M.S.: Masaru Nishimoto /G.J.: Georg Janker / C.K.: Chris Karrer / C.B.: Christian Burchard



Embryo

17. 12. Breeze The Creaze & his Flashy Flunkies

Eintritt 8,00 €

Die Band präsentiert ihre neue CD "The Ballad Of Josie, eine musikalisch äußerst reizvolle Reise durch die Geschichte der Popmusik und gleichzeitig eine aus der Feder Gollys stammende durchgängige filmreife Story über Politik, Liebe, Tod und deren unentrinnbare Verstrickungen.
Intelligente Texte und gefühlvolle Musik sind das Markenzeichen von 'Breeze The Creaze & his Flashy Flunkies', einem Trio, das neben Blues und Hippiemusik bislang gerne Giganten der Liedermacherei wie Tom Waits, Randy Newman, Bob Dylan und John Lennon interpretierte. Da sich die Band seit Anfang an keineswegs als Nachspielgruppe verstand (siehe das Debütalbum "23"), erschien es nur konsequent, dass sie sich nach der ersten Kennenlernphase an Eigenes wagte.  (zum Namen des Band siehe die Infoseite auf http://www.golly.)

Seit fast 40 Jahren sammelt der Musikwissenschaftler und leidenschaftliche Musiker Golly auf der Bühne Erfahrungen: 1969 setzte er gleichzeitig mit Martin Philippi und manchmal auch mit ihm zusammen die Bluespflänzchen, die später zur äußerst fruchtbaren Nürnberger Bluesszene heranwuchsen. Ab Mitte der 70er-Jahre wirkte er mit seinem Konzept "Großstadtmusik" bei der Liedermacherbewegung mit. Zu Beginn der 80er-Jahre gründete er die mittlerweile international von Künstlern und Publikum gleichermaßen geschätzte "Kneipenbühne" und rief die Nürnberger All-Star-Band "Jellyroll" ins. Mit den Resten der Martin-Philippi-Blues-Band schwamm er anschließend als "Rufus T. Firefly" auf der neuen deutschen Welle mit und nahm andererseits am internationalen Kompositionswettbewerb der Universität Siena teil, bevor er um 1990 sein Faible für den Oberpfälzer Dialekt entdeckte und mit der Band "Triaho" den neuen Weg der Hardcore-Volksmusik ging. Dies fiel zusammen mit der Gründung seines Labels "Knopf" (KNeipenbühne OberPFalz), auf dem er mittlerweile 25 CDs veröffentlichte, von denen eine (I wonder why") nicht zuletzt aufgrund Gollys außerordentlich ungewöhnlichen Arrangements bei Lippmann + Rau (Bellaphon) unter internationalen Vertrag genommen wurde. Die Vinylausgabe dieser Scheibe wurde übrigens im vergangenen Jahr von der Zeitschrift Stereo unter die 50 schönsten LPs aller Zeiten gewählt. Die Liste der Künstler, mit denen Golly zusammenarbeitete, ist lang und spektakulär: der Schriftsteller Fitzgerald Kusz ist darunter, Komponist Heinrich Hartl, Kammersängerin Eva-Maria Avril, der Künstler Peter Hammer, der leider viel zu früh verstorbene Geschichtenerzähler Ralf Huwendiek, fränkische Urgesteine wie Klaus Brandl und Keili Keilhofer, Ulknudel Lizzy Aumeier - um nur einige zu nennen. Unlängst produzierte er die Nürnberger Künstlerband "Krunk - wurst class musuc" um den international bekannten Kulturpreisträger Fred Ziegler. Im vergangenen Jahr folgte die CD "Wahre Geschichten", von deren freier Musik der Film- und Fernsehregisseur Josef Rödl (Heimatfilme wie "Albert warum", Tatort- und Krimiproduktionen unter anderem mit Bruno Ganz) so angetan war, dass er Teile daraus für seinen Kurzfilm "Mein Mörder mein Mann " verwendete.
Bereits mit fünf Jahren begann Jule Weidinger (Gesang, Bass) begeistert zu singen und zu flöten. In einer Schülerlband verfeinerte sie ihr Faible, lernte Bass und interessierte sich gleichzeitig für Gitarre. Sie verdiente sich ihre ersten musikalischen Meriten bei der Neumarkter Band Beggar's Banquet, einer Bluesrock-Coverformation, die sich ziemlich schnell zu Blues und Funk hingezogen fühlte. Zu ihrem Instrument wurde aber letztlich der 5-saitige E-Bass, den sie mit Verve und Feeling spielt. Das Besondere: sie kann auch zu schwierigen Bassläufen sauber und gefühlvoll singen. Jule studiert seit Juli 2005 am Music College in Regensburg Gesang.
Henning Frank, von Beruf Steinmetz, bringt mit seiner angenehmen Stimme, dem Didgeridoo, Perkussionsinstrumenten und seinem Schlagzeug zusätzlich Farbe in die Band. Als langjähriges Mitglied der Bluesgruppe Bad Penny erarbeitete er sich ebenso Routine wie in der Unterhaltungscombo Sigst'as und der Hilpoltsteiner Partyband Hobbetz.



Breeze The Creaze & His Flashy Flunkies

 
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Ermäßigung für Mitglieder: bei Konzerten 3 €, bei Filmen 1 €.
Nur bei Konzerten: 1 € Ermäßigung für Schüler, Studenten, Behinderte mit Ausweis. Programmänderungen vorbehalten.